Hauptschulstandorte im Landkreis Nienburg gefährdet !?

 

SPD-Kreistagsfraktion informiert sich über Integrierte Gesamtschule (IGS)

Die Anmeldungen für die Hauptschulen im Landkreis Nienburg brechen offensichtlich dramatisch ein. Geht der Schulentwicklungsplan für den Landkreis Nienburg in seiner mittelfristigen Zielplanung bis 2012 noch von einer Übernahmequote für die Hauptschulen von 23 % (2019 =21%) aus, so scheint die Realität 2008/2009 diese Planung bei weitem ad absurdum geführt zu haben. Sie soll sich zwischen 10 – 15 % bewegen!! Eine Einzügigkeit an einigen Hauptschulstandorten ist schon jetzt kaum noch gewährleistet. Genaue Zahlen werden vom Schulamt in der Sitzung des Kreisausschusses für Allgemeinbildende Schule am 03.09.2008 vorgelegt.

Vor dem Hintergrund, dass das von der Niedersächsischen Landesregierung allein propagierte dreigliedrige Schulsystem sich in einer Sackgasse befindet, ist es nicht verwunderlich, wenn die verantwortlichen Räte und Bürgermeister der betroffen Schulstandorte sich intensiv im Lösungsmöglichkeiten zum Erhalt ihrer Schulen bemühen, denn Alternativen (zum Beispiel Gesamtschulen) im Landkreis Nienburg gibt es nicht. Eine Diskussion wie im benachbarten Landkreis Schaumburg findet bisher nicht statt und ist offensichtlich von der Mehrheitsgruppe aus CDU/WG auch nicht erwünscht. Mann hält stur an der de facto gescheiterten Dreigliedrigkeit fest! (siehe Berichterstattung in „Die Harke“ am 23.07.08).
„Angesichts der neuesten Anmeldezahlen an den Hauptschulen muss sich der Landkreis Nienburg dringend Gedanken machen, wie es mit der Schullandschaft weitergehen soll. Das konservative „Weiter-so“ im Land ist gescheitert, den Gesamtschulen gehört die Zukunft!“ macht Grant-Hendrik Tonne den Standpunkt der SPD-Kreistagsfraktion klar.

Zu ihrem Schwerpunktthema Schulentwicklungsplanung begrüßte die SPD-Kreistagsfraktion jetzt den langjährigen Schulleiter der IGS Schaumburg in Stadthagen, Richard Wilmers im Rehburger Raths-Keller. Außerdem ließ die Fraktion sich von Rehburg-Loccums Bürgermeister Dieter Hüsemann über die Beweggründe des Stadtrates informieren, die zwischenzeitlich zum Antrag auf Einrichtung einer IGS am Standort der Haupt-u. Realschule Loccum geführt haben.

Rehburg-Loccums Bürgermeister erkennt in der IGS vor dem Hintergrund rückläufiger Schülerzahlen und der faktischen Ablehnung der Hauptschule durch Eltern und Schüler eine attraktive 4. Alternative zur bestehenden Dreigliedrigkeit von Haupt-, Realschule und Gymnasium. Mit einer IGS in Loccum sieht er den Schulstandort als wichtigen Standortfaktor für die Stadt gesichert, ohne andere Schulstandorte zu gefährden.
Anschaulich erläuterte Herr Wilmers den Kreistagsabgeordneten die Grundsätze der Integrierten Gesamtschule. Als Regelschule ab Jahrgang 5 steht das gemeinsame Lernen mit offener Schullaufbahn im Vordergrund dieser Schulform, die grundsätzlich im Ganztagsprinzip geführt wird. Die IGS in Stadthagen arbeitet vierzügig: neben drei Regelklassen gibt es eine Integrationsklasse. Ab Jahrgang 7 gibt es leistungsdifferenzierte Kurse: zunächst in Englisch und Mathematik, dazu kommt in Klasse 8 Deutsch und ab Jahrgang 9 unterschiedliche Kurse in den Naturwissenschaften. Entsprechend den Leistungen gibt es alle 6 Monate die Möglichkeit zwischen Grund- und Erweiterungskurs zu wechseln.
Das Abitur wird nach 13 Schuljahren gemacht. „Die Arbeit mit den Eltern ist an der IGS erwünscht und intensiv.“, erklärte Wilmers. Gute Erfahrungen haben die Schaumburger Pädagogen mit dem Prinzip des doppelstündigen Unterrichts gemacht und: im Wochenplan sind Übungsstunden integriert, so dass Hausaufgaben entfallen. Nach welchen Kriterien richte sich denn die Aufnahme an eine IGS, wollten die Genossen und Genossinnen wissen. „Die Aufnahme entspricht proportional der Zusammensetzung in den Grundschulen nach Haupt- Realschul- und Gymnasialempfehlung und damit dem Prinzip der Regelschule ab Jahrgang 5“, so Wilmers.
Wie groß die Nachfrage für die IGS in Stadthagen, die bereits 1991 gegründet wurde, ist, belegen aktuelle Zahlen: 539 Kinder wollten jetzt in den fünften Jahrgang, fast 80% mussten aber abgelehnt werden!
Im Nachbarlandkreis sind daher jetzt aufgrund des Ergebnisses einer aktuellen kreisweiten Elternumfrage drei weitere Standorte für eine IGS beantragt!

„Die IGS in Stadthagen ist erkennbar seit 1991 eine Erfolgsgeschichte für Schüler/ Schülerinnen und Eltern. Die überwältigende Nachfrage nach dieser Schulform im Nachbarlandkreis muss allen Verantworlichen im Landkreis Nienburg zu denken geben und kann nicht ignoriert werden. Trotz der neuen Schulnovelle des Landes Niedersachsen, die eine Fünfzügigkeit als unüberwindbare Hürde für die Einrichtung neuer Gesamtschulen fordert, wünscht sich die SPD-Kreistagsfraktion eine offene, faire Diskussion mit Eltern, Schulen und SchülerInnen.“ fasst Fraktionsvorsitzender Ernst Brunschön die Stimmung seiner Kolleginnen und Kollegen zusammen.

 

 


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